Maria Stockhaus

Sozial. Ökologisch. Gerecht.

IDAHOBITA Darmstadt 2024
18. Mai 2024

Am 18. April 2024 wurde in Darmstadt der IDAHOBITA begangen. Ich habe dort ebenfalls gesprochen. Ich habe euch die Rede zum Nachhören und Nachlesen hier reingestellt.

Mein Name ist Maria.

Ich bin ein*e Freund*in.

Ich bin Mutter.

Und ich möchte heute über trans Kinder sprechen.

Über das Recht auf Selbstbestimmung unabhängig vom Alter.

Auf das Recht gehört und wahrgenommen zu werden.

Ich nehme für mich nicht in Anspruch zu verstehen, wie es ist, wenn das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht nicht ansatzweise mit dem übereinstimmt, was ein Mensch über sich selbst weiß.

Aber ich glaube fest daran, dass die Selbstaussage eines Menschen niemals ignoriert werden darf.

Und ich weiß, dass Kinder eine Stimme haben und wir ihnen zuhören müssen.

Wenn also ein Kind mit 3 Jahren mehrmals wiederholt, dass es ein Mädchen ist, Kleider tragen will.

Sich einen neuen Namen aussuchen möchte, dann hat dieses Kind jedes Recht der Welt dazu.

Wenn dieses Kind älter wird, vor der Pubertät steht.

Vor der falschen Pubertät, einer Pubertät, die es mit Angst erfüllt, mit Ekel.

Wenn es diese Pubertät nicht durchmachen möchte, dann hat es jedes Recht dazu.

Wenn dieser junge Erwachsene, die richtige Pubertät erleben möchte, dann hat er jedes Recht dazu.

Wenn er geschlechtsangleichende Maßnahmen sowohl körperlich als optisch umsetzen möchte, dann hat dieser Mensch jedes Recht dazu.

Wenn der gewählte Name, das selbst festgestellte Geschlecht, in offiziellen Dokumenten stehen soll, dann hat dieser Mensch verdammt nochmal das Recht dazu.

All diesen Rechten eines Menschen, muss Gesellschaft Rechnung tragen,

denn das Anerkennen der geschlechtlichen Selbstwahrnehmung, ist gleich zu setzen mit der körperlichen und seelischen Unversehrtheit dieses Menschen.

unabhängig, ob von einem Erwachsenen oder einem Kind geäußert,

Doch leider passiert das in dieser Gesellschaft kaum und nur vollkommen unzureichend.

Und zusätzlich stehen die Rechte von trans Menschen aber ganz besonders von trans Kindern regelmäßig unter Beschuss.

Selbst der minimale Stand, den es heutzutage gibt, muss immer und immer wieder verteidigt werden.

So wurde nach 40 Jahren zwar endlich ein Selbstbestimmungsgesetz am 12. April im Bundestag erlassen, aber der Entstehungsweg ist geprägt von rechten Anfeindungen und Verleumdungen gegenüber der trans Community.

Auf der Habenseite stehen die Namensänderung per Selbstauskunft für erwachsene trans Menschen.

Und auch ein Offenbarungsverbot.

Allerdings bleibt z.B. für Kinder über 14 Jahren die Notwendigkeit einer Beratung und die Zustimmung der Erziehungsberechtigen Person.

Im Verteidigungsfall gilt eine trans Frau als Mann und auch ein Paragraf zum Hausrecht wurde aufgenommen.

Dies sind Ergebnisse trans-feindlicher Diskurse, denen hier Rechnung getragen wird und damit die durchgeführte Desinformation auch noch legitimiert wird.

Hier wurden insbesondere trans-weibliche Personen als Gefahr dargestellt.

Oder auch die Einführung von Sperrfristen zeigt, dass die Desinformationskampagne gewirkt hat und das Gesetz selbst das Narrativ einer „Phase“ festhält.

Heute ging das Selbstbestimmungsgesetz erfolgreich durch den Bundesrat.

Aus den transfeindlichen Erzählungen und den Desinformationen verschärft sich die Situation und gesundheitliche Versorgung von trans Kindern.

Immer wieder gibt es Diskussionen um Pubertätsblocker, Hormontherapie und geschlechtsangleichende Operationen.

Gerade wurde durch den 128. Deutschen Ärztetag ein Antrag beschlossen, der genau das als „experimentelle Medizin“ bezeichnet und nur im Rahmen wissenschaftlicher Studien durchgeführt sehen will

unter Begleitung eines multidisziplinären Teams einer klinischen Ethikkommission.

Allein in der Begründung für diesen Antrag stehen so viele Unwahrheiten und verdrehte Fakten, dass mir beim Lesen schlecht geworden ist.

Und all das angeblich zum Schutz des Kindswohl.

Da wird die Geschlechtsinkongruenz als Krankheit markiert, die sie nicht ist und mit der Geschlechtsdysphorie gemischt.

Hier wird Ursache und Wirkung vertauscht, in dem gesagt wird, dass erst eine psychologische Behandlung erfolgen muss, bevor die Gabe von Pubertätsblockern oder die Durchführung einer Hormontherapie möglich ist.

Dabei ist es doch andersherum wahr.

Aufgrund der Geschlechtsdysphorie, welche sich mit der drohenden falschen Pubertät verstärkt, gehen Angststörungen, Depressionen und eine erhöhte Selbstmordrate einher.

Die Wahrscheinlichkeit, dass trans Jugendliche einen Selbstmordversuch unternehmen, ist 5-mal höher als bei ihren cis Altersgenoss*innen.

Durch Akzeptanz in Familie und Freundeskreis sowie der Gabe von Pubertätsblockern und der Durchführung einer Hormontherapie gehen diese psychologischen Erkrankungen in hohem Maße zurück.

Diese Diskussionen führen dazu, dass es gesellschaftlich immer schwieriger wird über die Rechte von trans Kinder zu sprechen.

Das Recht auf Selbstauskunft.

Diese Diskussionen führen dazu, dass Menschen, die sich für die Rechte von trans Kindern einsetzen angefeindet werden.

Ihnen vorgeworfen wird, Kinder zu verstümmeln.

Unsere Kinder zu lieben, heißt unsere Kinder zu schützen.

Sie als der Mensch zu lieben, der sie sind, der sie sein wollen.

Unabhängig von dem Geschlecht, dass ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.

Es ist doch zu jedem verdammten Zeitpunkt schöner, ein Kind zu haben, dass mit dem eigenen selbstgewählten Geschlecht durchs Leben geht,

anstatt mit einem zugewiesenem Geschlecht nach einem erfolgreichen Suizidversuch begraben zu werden.

Darum stehe ich heute hier.

Am 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit.

Ein Tag, der für die Abschaffung von Homosexualität als Krankheit steht.

Danke, dass auch ihr heute hier seid


Alle Reden findet hier auf der Seite von vielbunt.