Maria Stockhaus

Sozial. Ökologisch. Gerecht.

Optimierung Busnetz oder “Was ist eigentlich ein Nachfragemodell?”
10. März 2022

Redebeitrag

Sehr geehrter Stadtverordnetenvorsteher,

sehr geehrte Stadtverordnete,

im Dezember haben wir bereits über die Optimierung des Busnetzes diskutiert. Manche von uns auch mit viel Herzblut. Und das nicht zu Unrecht.

Ist doch ein leistungsfähiger und an die Bedürfnisse der Menschen angepasster ÖPNV eine zwingende Voraussetzung für die Verkehrswende. Und damit auch ein wichtiger Schritt auf dem Weg in eine klimaneutrale Zukunft.

Zwei wesentliche Punkte der damaligen Vorlage liegen uns heute in angepasster Form wieder zur Beschlussfassung vor. Und ich kann Ihnen sagen, dass ich damit bei weitem noch nicht glücklich bin.

Der K-Bus braucht auch weiterhin länger zum Hauptbahnhof als der H-Bus. Ich bezweifle, dass hier eine Entlastung des H-Busses aus der Heimstättensiedlung herausgeben wird.

Doch schwerer wiegt für mich die weiterhin fehlende Direktanbindung des Woogsviertels an den Hauptbahnhof. Und damit auch die unklaren Entscheidungsgrundlagen für Linienführungen und Taktvorgaben. Schon von Berufswegen verstehe ich, dass sich ein ÖPNV-Netz stetig weiterentwickeln muss. Gleichsam wie es die Stadt und ihre Bevölkerung tun. Doch was ich nicht verstehe ist, auf welcher Basis die ursprüngliche Planung gemacht wurde und was zur Entscheidung einer Taktverdichtung beigetragen hat.

Welche Nachfragerelationen können denn gemäß Nachfragemodell nun besser bedient werden?

Welche zusätzliche Nachfrage ist durch die veränderte Linienführung zu erwarten?

Denn der einzige akzeptable Grund, die Busdirektverbindung aus dem Woogsviertel zu kappen, ist ein höher Quote von Direktverbindungen für das gesamte Netz; gemessen an der Nachfrage. Ich weiß, das ÖPNV nicht für jeden eine Tür-zu-Tür-Verbindung ermöglichen kann. Umso wichtiger ist daher die Nutzung von Nachfragemodellen.

Die ich dann gern bei Gelegenheit auch einmal sehen würde wollen. Würde mich persönlich fachlich interessieren.

Und nein, Herr Kolmer, Ihre Standardantwort, dass ÖPNV sich stetig weiterentwickelt, ersetzt kein Nachfragemodell. Nichts gegen Ihre Kompetenz als Dezernent.

Zur fehlenden Direktverbindung noch ein Wort.

Ein Umstieg ist in der Verkehrsplanung immer ein erheblicher Widerstand und erhöht die gefühlte Reisezeit um bis zu 10 Minuten; je nach Modellierungsansatz. Bei einem solchen Bruch hilft der Anschluss nur bedingt, schlicht weil für die Fahrgäste ein Planungsrisiko besteht.

Mit schwerem Herzen und in Anerkennung des vorgebrachten Verbesserungswillens sowie in der Hoffnung, dereinst auch mal Zahlen zu sehen, werden wir der Vorlage zustimmen.


Ergänzende Unterlagen:

Magistratsvorlage 2022/0058: Angebotsoptimierung bei der Anpassung und Optimierung des Busliniennetzes ab Ostern 2022 im Woogsviertel und Heimstättensiedlung